Vor etwas mehr als einem Jahr war ich mit einer Freundin für einige Tage in Japan. Nicht als Wellness-Reise, nicht aus irgendeinem Beauty-Grund, sondern einfach ganz normal.
Dort habe ich eine ältere Frau kennengelernt, Yoshiko. Sie war 71. Und sie hatte diese ruhige, frische Ausstrahlung, die man nicht so leicht beschreiben kann.
Nicht geschniegelt. Nicht künstlich. Nicht gemacht. Einfach klar. Wach. Gepflegt.
Wir kamen ins Gespräch und ich fragte sie irgendwann, ob sie irgendetwas Besonderes mache.
Sie lachte nur und sagte sinngemäss, dass heute viele Menschen ständig nach neuen Lösungen suchen, obwohl früher manches ganz selbstverständlich Teil des Alltags war.
Sie sprach über Brühen, über längeres Kochen, über bestimmte Lebensmittel und darüber, dass vieles früher nicht perfekt, aber näher am Körper gewesen sei.
Ich will daraus keine romantische Geschichte machen.
Nicht alles, was früher gemacht wurde, war automatisch besser. Und natürlich sieht nicht jede ältere Frau in Japan plötzlich aus wie 45.
Aber dieser Moment hat bei mir etwas ausgelöst.
Zum ersten Mal dachte ich nicht mehr nur darüber nach, was ich nehme.
Sondern darüber, wie realistisch es überhaupt ist, dass ich es täglich nehme.
Und genau das hatte ich vorher komplett unterschätzt.
Was Yoshiko beschrieb, war nichts Exotisches.
Es war das, was meine eigene Grossmutter noch selbstverständlich gemacht hatte.
Knochen auskochen. Brühe stundenlang köcheln lassen.
Das ganze Tier verwenden, nicht nur das Filet.
Wir haben aufgehört, das zu tun. Und irgendwann haben wir aufgehört zu merken, was uns dadurch fehlt.